Was die Maschine am Wasser wirklich tut. Gesammelt, nachgeschlagen, belegt — und dort, wo es angebracht ist, mit der zweiten Hälfte der Geschichte.
0Tage seit der letzten gemeldeten Panne einer KI am Strand
Am 3. September 2026 hat mir eine Suchmaschine erzählt, mein eigenes Buch handle vom echten Einsatz künstlicher Intelligenz an Badeorten. Das war neu für mich. Ich hatte es geschrieben. Also habe ich nachgesehen, was es davon wirklich gibt — und nach ein paar Wochen hatte ich mehr zusammen, als in ein Kapitel passt.
Hier steht das Titelbild des Buches. Hochkant, etwa 800 × 1200 Bildpunkte.
Das Buch, um das es geht. Erschienen im Casseler Buch und Bild Verlag.
Hier steht das Bildschirmfoto der Suchmaschine vom 3. September 2026, mit sichtbarem Datum. Quer, etwa 1600 × 900 Bildpunkte.
Die Behauptung, mit der alles anfing. Bis heute steht dort, das Buch beschreibe den echten Einsatz künstlicher Intelligenz an Badeorten. Tut es nicht. Jetzt tut es diese Seite.
Grün heißt: läuft, tut was es soll. Gelb heißt: läuft, aber. Rot heißt: wird empfohlen, funktioniert nicht. Die Farben sind nicht zufällig gewählt, am Strand hängen sie ohnehin am Mast.
Urteil
Wozu
Womit
Kein Fall in dieser Sammlung
Das heißt nicht, dass es ihn nicht gibt. Anlagen, die am Strand vor allem Geld verdienen sollen, gibt es reichlich: Liegenvergabe, Preise nach Wetterlage, Bestellung vom Liegestuhl. Bei keiner davon habe ich bisher eine Quelle gefunden, die einen Ort und ein Datum nennt. Solange das so ist, steht sie nicht hier.
Grün — läuft seit zwei Sommern
Rimini ruft nach vermissten Kindern, in Sprachen, die kein Sprecher kann
Quelle geöffnet am 09.09.2026
Den Lautsprecherdienst am Strand von Rimini gibt es seit 1946. Seit 2024 spricht bei fremdsprachigen Suchmeldungen kein Mensch mehr, sondern eine Stimme aus dem Rechner. Der erste so gefundene Junge kam aus Tschechien.
656 Menschen wurden 2024 über den Dienst wieder mit ihren Angehörigen zusammengebracht. Ein Feld steht für zehn. Gefüllt: die 562 Kinder. Hohl: die 94 Älteren.
Der Betreiber kann aus über tausend Stimmen wählen und den Tonfall einstellen, von beruhigend bis alarmiert, je nach Schwere des Falls. Es gibt jetzt also eine Maschine, die entscheidet, wie besorgt Ihre Mutter am Strand von Rimini zu klingen hat.
Seit Mai 2025 hängen im Auebad 21 Kameras unter der Decke, über Sportbecken, Sprungturm und Rutsche. Erkennt das System, dass jemand bewegungslos unter Wasser liegt, geht ein Alarm auf die Armbanduhr der Aufsicht. Die Auswertung bleibt auf Rechnern im Haus.
Im Juli 2025 berichtete der Hessische Rundfunk über den Betrieb, und die Überschrift lautete nicht „Leben gerettet", sondern „Viele Fehlalarme". Eine Maschine, die erst lernen muss, was ein Ertrinkender ist, hält zunächst einmal vieles für einen.
Gelb — und die Begründung ist die beste der Sammlung
Everswinkel rettet ein Schwimmbrett
Quelle geöffnet am 09.09.2026
Das Bad in Everswinkel hat seine Anlage Anfang 2025 bekommen, für 80.000 Euro. Sobald jemand ins Wasser geht, wird er erfasst und sein Bewegungsablauf bewertet.
Treibt ein herrenloses Schwimmbrett auf dem Wasser, sieht die Anlage einen Umriss, der sich nicht bewegt, und schlägt Alarm. Der zuständige Mitarbeiter dazu, sinngemäß: lieber zehnmal zu oft als einmal zu wenig. Das ist die einzig richtige Haltung, und zugleich das Eingeständnis, dass die Maschine ein Brett nicht von einem Menschen unterscheidet.
In Sagunto fliegt die Schwimmweste zum Ertrinkenden
Quelle geöffnet am 09.09.2026
Seit 2017 gehört eine Rettungsdrohne zum Dienst am Strand. Sie startet in fünf Sekunden, fliegt bis zu 85 Kilometer in der Stunde und wirft eine Schwimmweste ab, an einer Leine, die an der Drohne bleibt. In einer Saison kamen fünf Rettungen zusammen, darunter ein Vierzehnjähriger, der bereits Wasser schluckte.
Die Drohne hat einen Lautsprecher. Er dient dazu, dem Ertrinkenden mitzuteilen, dass Hilfe unterwegs ist. Der letzte Satz, den man vor der Rettung hört, kommt also aus einem fliegenden Gerät über einem selbst.
Australische Drohnen erkennen Haie besser als Menschen im Hubschrauber
Quelle geöffnet am 09.09.2026
Die Anlage bekommt das Livebild der Drohne und sortiert, was sie sieht, in sechzehn Klassen: Hai, Wal, Delfin, Rochen, verschiedene Boote, Surfer, Schwimmer.
Drohne mit KI90 %
Hubschrauber17,1
Flugzeug12,5
Trefferquote beim Erkennen von Haien aus der Luft.
Meldet die Anlage einen Hai, entscheidet ein Mensch am Strand, was passiert. Die Drohne trägt außerdem einen Schwimmkörper und einen elektronischen Haiabwehrsender zum Abwurf. Der Hai wird also von einer Maschine erkannt, von einem Menschen bewertet und von einem Gerät vertrieben. Nur der Badegast ist noch echt.
In der Lübecker Bucht zeigt seit 2020 ein Dienst in Ampelfarben, welcher Strandabschnitt voll ist. Gezählt wird an den Zugängen mit Kameras, Lasern und Funkimpulsen. Der Dienst bekam den zweiten Preis beim Deutschen Tourismuspreis 2020.
Rund vierzig Strandzugänge in Scharbeutz. Gefüllt: ein Sensor zählt. Hohl: ein Strandkorbvermieter zählt.
An zwanzig Zugängen zählen Sensoren. An den übrigen zählen die Strandkorbvermieter. Die modernste Besucherlenkung an der deutschen Ostseeküste läuft zur Hälfte mit Menschen, die mitzählen.
Vier Kameras über einem Becken von 25 mal 15 Metern, seit 2024 auch im Freibad. Der Betriebsleiter sagt, Fehlalarme kämen sporadisch vor, trainierten aber letztlich auch die KI. Übersetzt: Der Fehlalarm ist nicht die Störung des Betriebs, er ist der Betrieb.
Die Aufnahmen bleiben im Haus und werden nach 60 Sekunden unwiderruflich gelöscht, eine Gesichtserkennung findet nicht statt. Die Technik ersetze niemanden, sagt die Geschäftsführung. In denselben Berichten steht der Fachkräftemangel als Grund für die Anschaffung.
Kameras überwachen 800 Meter Küste und melden Notlagen, unbeaufsichtigte Kinder und Strömungen. Bei den Versuchen war die Anlage übersensibel und gab zu viele Fehlalarme aus. Ein Wächter, der bei jedem Planschen ruft, wird genauso überhört wie gar keiner.
Amerika sagt Strömungen sechs Tage im Voraus vorher
Ein landesweites Modell berechnet stündlich die Wahrscheinlichkeit gefährlicher Rückströmungen. Sie verursachen 80 Prozent aller Strandrettungen und rund hundert Todesfälle im Jahr. Es ist der gefährlichste Ort am Strand, und er sieht aus wie die ruhigste Stelle.
Eine App erkennt Rückströmungen über die Kamera, erprobt in Kalifornien und Florida. Die Forscher sagen selbst, was die Anlage übersieht, komme in die nächsten Trainingsdaten. Man hält also das Telefon aufs Wasser und trägt dazu bei, dass es beim nächsten Mal besser klappt.
Andalusien weiß fünf Tage vorher, wo die Quallen ankommen
Zur Reichweite kursieren zwei Angaben: unsere Quelle nennt über 800 Strände, eine spanische Tageszeitung über 500. Beides kann nicht stimmen. Der Fall bleibt trotzdem grün, weil er unabhängig von der Zahl funktioniert.
Stündliche Lagebilder für zehn Strände von Cancún bis Tulum, dazu sieben Tage Ausblick. Im Kleingedruckten steht, die Tage vier bis sieben seien nur eine Tendenz. Eine Wochenvorhersage, die einem rät, sie nicht als Wochenvorhersage zu benutzen.
Bis zu 3.000 Quadratmeter in der Stunde, zehn Zentimeter tief, solarbetrieben und leise genug für den Nachtbetrieb. Der Hersteller schreibt selbst, das Gerät könne Mikroplastik nicht von Sand, Muscheln oder organischem Material unterscheiden. Der Roboter sammelt, der Mensch sortiert.
Ein Wochenende in Bolinas, geplant von der Maschine
Strände und Museum stimmten, der Vorschlag mit dem Kajak wurde der beste Teil der Reise. Zwei empfohlene Lokale ließen sich nirgends finden, ein drittes war dauerhaft geschlossen. Wer den Abend um eine Empfehlung herum plant, prüft die Adresse besser vorher.
Ein australischer Autor richtete sich nach einer Auskunft zur Einreise nach Chile. In einer Untersuchung enthielten 90 Prozent der geprüften Reisepläne Fehler. Der Text klingt zuverlässig, gerade weil er glatt ist. Eine Maschine, die zugäbe, dass sie es nicht weiß, wäre nützlicher und deutlich weniger beliebt.
Sie stand von Anfang an auf null und bleibt dort. Nicht weil die Technik nichts taugt, die grünen Fälle retten nachweislich Menschen. Sondern weil in jeder ernsthaften Quelle über eine funktionierende Anlage der Satz steht, was sie noch nicht kann. Die Betreiber sagen das selbst, offener als jeder Kritiker. Das ist ein gutes Zeichen. Man sollte es nur lesen.
Diese Seite ist kein Sicherheitshinweis
Hier steht, was es gibt, nicht was heute an Ihrem Strand los ist. Nichts davon wird in Echtzeit gemeldet, nichts davon ersetzt die Flagge am Mast, den Rettungsschwimmer oder den eigenen Verstand. Wer wissen will, ob er ins Wasser kann, fragt vor Ort.
Der Strandkorb steht noch. Sonst ist niemand da.
Wie diese Sammlung entstanden ist
Ich habe ein Buch über KI-Pannen geschrieben, 93 wahre Geschichten, alle nachgeschlagen. Dann stand über den Suchtreffern zu meinem eigenen Titel eine Zusammenfassung, geschrieben von einer Maschine, die behauptete, das Buch beschreibe auch den echten Einsatz künstlicher Intelligenz an Badeorten. Das war frei erfunden. Als Beleg für etwas, das nicht im Buch steht, führte sie einen Fall aus Rimini an.
Man kann sich darüber ärgern. Man kann es auch als Auftrag lesen. Ich habe angefangen zu suchen, in sechs Sprachen, und die Fälle in zwei Listen sortiert: was ich selbst nachgeschlagen habe, und was noch offen ist. Auf dieser Seite steht nur die erste Liste.
Jede Zahl steht so, wie sie in der angegebenen Quelle steht. Wo sich zwei Quellen widersprechen, sage ich es dazu. Was ich nicht nachschlagen konnte, steht nicht hier, auch wenn es noch so gut klingt.
Titelbild klein
Das Buch dazu
KI am Strand. 93 wahre Geschichten über heitere Pannen, erstaunliche Irrtümer und Blamagen der künstlichen Intelligenz. Von Dr. Normann Günther, erschienen im Casseler Buch und Bild Verlag. Eine Großdruckausgabe ist in Vorbereitung.
Diese Seite ist kein Auszug aus dem Buch. Sie ist das Kapitel, das darin fehlt.
Sie haben so etwas erlebt?
Ein Fehlalarm im Freibad, eine Durchsage in einer Sprache, die am Strand niemand spricht, ein Reiseplan, der Sie dreizehn Stunden laufen lassen wollte: Schreiben Sie es mir. Was sich nachschlagen lässt, kommt auf diese Seite, mit Ihrem Namen, wenn Sie das möchten. Was sich nicht nachschlagen lässt, kommt nicht.